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Dec 5 2021

“Weihnachten” gerettet! – Fantastische Oper von Rimski-Korsakow feiert Premiere in Frankfurt am Main

“Weihnachten” gerettet! – Fantastische Oper von Rimski-Korsakow feiert Premiere in Frankfurt am Main

5 Dez. 2021 15:00 Uhr

Turbulentes, fantastisches Geschehen, musikalisch untermalt von Nikolai Rimski-Korsakow, erwartet die Frankfurter Opernfreunde am Sonntag. Das ist verständlich, wenn man die überraschend zeitgemäße Philosophie seiner Werke betrachtet. Dennoch ist die Premiere fast ein Wunder.

von Wladislaw Sankin

Immer mehr europäische Bühnen erfreuen sich des vielfältigen Opern-Repertoires des russischen Komponisten Nikolai Rimski-Korsakow. Für die russische Musik ist der Komponist von zentraler Bedeutung. Er schuf nicht nur Meisterwerke wie die maritime symphonische Dichtung “Scheherazade”, den berühmten 15-Minüter “Capriccio espagnol” und die “Russischen Ostern”. Als ausgezeichneter Musikpädagoge prägte er auch die Nachfolgegeneration der russischen Komponisten, darunter herausragende Größen wie Glasunow, Strawinsky, Prokofjew oder Mjaskowski.

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Für die russische Opernmusik hat Rimski-Korsakow einen vergleichbaren Stellenwert wie etwa Wagner für die deutsche oder Verdi für die italienische Oper. Wegen seiner Vorliebe zu nationalen und folkloristischen Motiven wird er in Russland öfters “Unser Märchenerzähler” genannt. Die Verankerung im Nationalen ist allerdings kein Hindernis für die Rezeption Rimski-Korsakows in Europa. Im Gegenteil. Ob “Tsar Saltan” in Brüssel, “Sadko” in Antwerpen, “Schneeflöckchen” in Paris, “Der goldene Hahn” in Duisburg oder “Die Zarenbraut” in Berlin – fast jährlich sind auf den großen Bühnen moderne Neuauflagen der Korsakow-Opern zu sehen.

Dass an der Oper Frankfurt am Sonntag eine Neuinszenierung seiner “Die Nacht vor Weihnachten” Premiere feiert, sollte also niemanden überraschen. Gleichwohl ist es eine kleine Sensation. Denn diese Oper steht im Schatten seiner anderen Werke – auch in seiner Heimat wird sie nur recht selten aufgeführt und wenn, dann in der Regel in einer gekürzten Kinderfassung.

Die Entscheidung für die Oper, die das Opernhaus seinen Musik- und Theaterliebhabern in diesem Jahr zu Weihnachten schenkt, ist dem Haus jedoch dem Intendanten Bernd Loebe zufolge nicht schwergefallen. Ohnehin sind der Musikdirektor Sebastian Weigle und der Regisseur Christof Loy mit dem “russischen Milieu” (Loebe) bestens vertraut. Das Stück selbst hat es jedoch in sich. Buffonaden, pittoreske Szenen, Teufelstreiben, junge Liebe und schließlich das Surreale und Kosmische-Mythologische – all das bestückt mit herrlichen Chören, malerischen Zwischenspielen und Tanzeinlagen.

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Und natürlich – das “Weihnachtliche”. Wenn der Chor das Lied zur Weihnacht anstimmt, spendet das ebenso “Trost in dieser Zeit”, sagt Weigle bei der Generalpremiere. Er empfiehlt: “Taschentücher nicht vergessen!” Schon die Ouvertüre umarme die Zuhörer, der Klangzauber sei überwältigend.

Die Oper erinnert auch an die Ursprünge dieses christlichen Festes. Zwar spielt die Volksorthodoxie eines Dorfes im Kleinrussland des 18. Jahrhunderts (im Gebiet Poltawa, das heute in der Ukraine liegt) eine ganz eigene Rolle. Schließlich hat der junge Schmied Wakula, der in die schöne Oksana hoffnungslos verliebt ist, mit seiner Ikonenmalerei den Zorn des Teufels auf sich gezogen. In dieser kommt er, der Teufel, schlecht weg, worüber er sich gleich in der ersten Arie beklagt. Doch das eigentlich Weihnachtliche in Rimski-Korsakows Oper knüpft eher an vorchristlichen Elemente, etwa die Feier der Wintersonnenwende, statt an die Geburt Christi an.

“Der Ausbruch ins Kosmische ist bei diesem Stück sehr spürbar”, sagt der Dramaturg Maximilian Enderle im Gespräch mit RT DE und beschreibt das Bühnenbild der Oper, dessen Hauptelement Kulissenwände mit Abbildungen des Sternhimmels darstellen, der durch eingebaute Lämpchen und raffinierte Lichteffekte zum Leuchten gebracht wird. Ihm zufolge sei die Wiederentdeckung dieser und anderer Opern-Raritäten des russischen Komponisten kein Zufall und hätte auch etwas mit dem heutigen Zeitgeist zu tun.

“Ich kann mir schon vorstellen, dass das Interesse an seinen Stücken wächst, auch weil die pantheistische Philosophie von Rimski-Korsakow in gewisser Weise überraschend modern ist. Dieser Pantheimus, der auch in der russischen Folklore immer wieder vorkommt, sagt, dass die Natur beseelt ist”.

Sein Respekt, seine Verneigung vor der Natur stünden im Einklang mit der Umweltpolitik und mit modernen Ansätzen, die die Natur als gleichberechtigten Part sehen. Außerdem sehe Korsakow den Menschen nicht als ein Individuum, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs – wie etwa im Wechsel der Jahreszeiten in der “Nacht vor Weihnachten”.

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In dieser Oper passieren viele wundersame, seltsame Dinge, etwa der luftige Ritt des jungen Wakula auf dem Teufel in die Hauptstadt, um eine Kaprice seiner Geliebten zu erfüllen. Trotz aller Schwierigkeiten nimmt aber alles schließlich ein glückliches Ende und in der Schlussszene huldigen alle Beteiligten demjenigen, der diese fantastische Geschichte später erzählen soll – dem Schriftsteller Nikolai Gogol, nach dessen gleichnamiger Literaturvorlage der Komponist das Libretto auch schrieb. So war auch der Weg der Oper zu ihren Zuschauern voller Hindernisse.

In diese schwierige Zeit, in der schon das Wort “Weihnachten” von der Europäischen Kommission als unerwünscht eingestuft wird, fallen auch die kürzlich beschlossenen pandemiebedingten Auflagen, die die Premiere am 5. Dezember gefährdeten. Seit Mittwoch stand die ausverkaufte Vorstellung auf der Kippe. Telefonate mit Abonnenten, eine organisatorische Blitzaktion und die Neudisposition der Plätze machen die Aufführung nun letztlich möglich: Mit 2G-Plus-Regelung, Maskenpflicht und einer Sitzordnung im Schachbrettmuster findet die Frankfurter Erstaufführung der russischen Oper wie vorgesehen statt.

Christof Loy, Sebastian Weigle und andere Mitwirkende sowie alle, die den russischen Komponisten schätzen und mögen, sind erleichtert und sicher, dass die unbekannte Musik viele Zuhörer sofort in ihren Bann ziehen wird. Geplant sind insgesamt acht Vorstellungen im Dezember und Januar.

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Written by NSA


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